Wertschriftensparen Säule 3a: Konto oder Wertschriften? (2026)
3a-Konto oder 3a-Wertschriften? Was Wertschriftensparen in der Säule 3a bedeutet, wann es sich lohnt, was es kostet und wie Vorsorgefonds, 3a-Apps und Vorsorgeportfolios sich unterscheiden – mit Rechenbeispiel über 30 Jahre.
Inhalt
Wertschriftensparen Säule 3a
Beim Wertschriftensparen wird das Säule-3a-Guthaben nicht auf einem verzinsten Konto gehalten, sondern in Wertschriften angelegt: in einen Vorsorgefonds der Bank oder in eine ETF-basierte Strategie einer 3a-App. Das Guthaben nimmt an der Entwicklung von Aktien-, Obligationen- und Immobilienmärkten teil – mit höherer erwarteter Rendite, aber auch mit Kursschwankungen. Der Steuerabzug ist derselbe wie beim Konto.
Kurz erklärt
Warum die Anlageform wichtiger ist als der Anbieter
Der Unterschied zwischen Konto und Wertschriften übersteigt bei langem Horizont jeden Zins- oder Gebührenunterschied zwischen Anbietern:
Rechenbeispiel: 30 Jahre, CHF 7'258 pro Jahr
Vereinfachte Annahmen, Rendite nach Kosten, ohne Inflation:
| Einzahlungen total | CHF 217'740 |
| 3a-Konto, 0.5% Zins | rund CHF 235'000 |
| Wertschriften, 3% netto (ca. 45% Aktien) | rund CHF 345'000 |
| Wertschriften, 4% netto (ca. 75% Aktien) | rund CHF 407'000 |
| Wertschriften, 5% netto (ca. 100% Aktien) | rund CHF 482'000 |
Konto, Vorsorgefonds oder 3a-App: die drei Wege im Vergleich
3a-Konto
Verzinstes Sparkonto bei einer Bank oder Vorsorgestiftung.
Vorsorgefonds der Bank
Gemischter Anlagefonds mit fester strategischer Aktienquote (15 bis 100%), gehalten in einem 3a-Depot der Bank.
3a-App (Vorsorgestrategie)
Digitale Vorsorgestiftung, die das Guthaben in ein Portfolio aus Index-Fonds oder ETFs anlegt, oft individuell anpassbar.
Fazit
Für die Mehrheit der Erwerbstätigen mit mehr als zehn Jahren bis zur Pensionierung ist eine Wertschriftenlösung die bessere Wahl. Ob Bankfonds oder App, entscheidet sich an den Gesamtkosten und der gewünschten Aktienquote.
- • Horizont unter 5 Jahren: Konto
- • Horizont 5 bis 10 Jahre: Wertschriften mit 25 bis 45% Aktien
- • Horizont über 10 Jahre: Wertschriften mit 60 bis 100% Aktien, Kosten unter 0.6%
Rendite und Schwankung nach Aktienquote
Historische Richtwerte für breit diversifizierte Portfolios in CHF, vor Kosten. Die Spalte «Worst Case» zeigt den grössten zwischenzeitlichen Rückschlag in den letzten 25 Jahren.
| Aktienquote | Ø Rendite p.a. | Typische Schwankung | Worst Case |
|---|---|---|---|
| 25% | 2 bis 3% p.a. | tief | rund -10% |
| 45% | 3 bis 4% p.a. | mittel | rund -20% |
| 75% | 4 bis 6% p.a. | hoch | rund -30% |
| 100% | 5 bis 7% p.a. | sehr hoch | rund -40% |
Entscheidend ist nicht, ob ein Rückschlag kommt, sondern ob genug Zeit bleibt, ihn auszusitzen. Nach den Einbrüchen 2008 und 2020 lagen globale Aktienindizes innerhalb von drei bis vier Jahren wieder über dem Vorkrisenstand.
Der grösste Teil des Säule-3a-Vermögens bei Banken liegt nach wie vor auf verzinsten Konten. Für Guthaben, das in wenigen Jahren bezogen wird, ist das richtig. Für alle anderen ist es die teuerste Entscheidung in der Vorsorge, denn der Zinsvorteil eines guten Kontos gegenüber einem schlechten beträgt wenige Zehntelprozent, der Renditeunterschied zwischen Konto und Wertschriften dagegen mehrere Prozentpunkte pro Jahr.
Wie Wertschriftensparen in der Säule 3a funktioniert
Das 3a-Guthaben bleibt in der gebundenen Vorsorge, wird aber nicht als Kontoguthaben gehalten, sondern in Anteile eines Fonds oder in ein Portfolio aus ETFs investiert. Die Anlagen unterliegen den Vorschriften der Verordnung BVV 2: Sie müssen breit diversifiziert sein, der Aktienanteil ist je nach Lösung bis 100% möglich, Fremdwährungen sind begrenzt. Dividenden und Zinsen werden im Fonds oder Portfolio wieder angelegt und sind wie Kursgewinne steuerfrei.
Zwei Produktformen sind in der Schweiz verbreitet. Die Vorsorgefonds der Banken sind gemischte Fonds mit fester strategischer Aktienquote, etwa 25, 45, 75 oder 95%. Sie werden im 3a-Depot der Bank gehalten; die Kosten stecken vollständig in der Gesamtkostenquote TER. Die 3a-Apps wie VIAC, finpension oder frankly bauen das Portfolio aus Index-Fonds zusammen, verlangen eine Pauschalgebühr auf dem Guthaben und lassen die Aktienquote frei wählen. Worin sich die beiden Formen genau unterscheiden, erklärt der Artikel Vorsorgefonds vs. Vorsorgestrategie.
Der Anlagehorizont entscheidet, nicht die Risikobereitschaft
Die übliche Frage nach der Risikobereitschaft führt in der Säule 3a in die Irre. Das Geld ist ohnehin bis zum Bezug gebunden, kurzfristige Schwankungen können nicht zu Panikverkäufen für den Alltag führen. Relevant ist allein, wie viele Jahre bis zum geplanten Bezug bleiben.
Bei 20 oder 30 Jahren Horizont hat ein breit diversifiziertes Aktienportfolio in der Vergangenheit jede Krise aufgeholt und danach deutlich über dem Vorkrisenniveau geschlossen. Bei weniger als fünf Jahren kann ein Einbruch von 30% nicht mehr ausgesessen werden; hier gehört das Guthaben auf das Konto oder in eine Lösung mit sehr tiefer Aktienquote. Der Artikel Anlagehorizont zeigt, wie sich die Aktienquote über die Jahre schrittweise senken lässt.
Ein geplanter Eigenheimkauf verkürzt den Horizont. Wer in vier Jahren Wohneigentum kaufen und das 3a-Guthaben dafür einsetzen will, sollte diesen Teil nicht in Aktien halten.
Was der Unterschied über 30 Jahre ausmacht
Wer ab 35 jedes Jahr den Maximalbetrag von CHF 7’258 einzahlt, hat mit 65 insgesamt CHF 217’740 eingezahlt. Auf einem Konto mit 0.5% Zins wächst das Guthaben auf rund CHF 235’000. In einer Wertschriftenlösung mit 4% Rendite nach Kosten, was einer Aktienquote um 75% entspricht, werden es rund CHF 407’000. Die Differenz von gut CHF 170’000 ist mehr als das Dreifache der gesamten Steuerersparnis, die bei 25% Grenzsteuersatz über 30 Jahre rund CHF 54’000 beträgt.
Die Rechnung gilt für die Vergangenheit und ist keine Prognose. Sie zeigt aber die Grössenordnung: Die Wahl der Anlageform wiegt schwerer als jede Zins- oder Gebührendiskussion. Mit dem Vorsorgerechner lässt sich die Rechnung mit dem eigenen Produkt, der eigenen Einzahlung und dem eigenen Horizont nachvollziehen.
Kosten: der einzige sicher planbare Faktor
Rendite ist ungewiss, Kosten sind es nicht. Jeder Prozentpunkt Gebühren reduziert die Rendite jedes Jahr um genau diesen Betrag. Bei maximaler Einzahlung über 30 Jahre kostet ein TER von 1.3% statt 0.3% rund CHF 60’000 Endkapital.
Vergleichbar sind nur die Gesamtkosten pro Jahr. Bei Bankfonds ist das der TER; Depotgebühren kommen bei vielen Banken nicht dazu, bei einigen schon. Bei 3a-Apps setzen sich die Kosten aus der Pauschalgebühr und den Produktkosten der eingesetzten Index-Fonds zusammen; die Anbieter weisen meist beides aus. Das Ranking der günstigsten Säule-3a-Lösungen stellt Fonds und App-Strategien nach effektiven Jahreskosten gegenüber. Ob aktive Verwaltung die höheren Kosten wert ist, behandelt der Artikel Aktiv vs. passiv.
Sicherheit: Kursrisiko ja, Gegenparteirisiko kaum
Wertschriften in der Säule 3a sind Sondervermögen. Geht die Bank oder die Vorsorgestiftung in Konkurs, gehören die Fondsanteile weiterhin den Anlegern und fallen nicht in die Konkursmasse. Das unterscheidet sie vom Kontoguthaben, das zwar bis CHF 100’000 pro Kunde konkursrechtlich privilegiert ist, darüber hinaus aber eine ungesicherte Forderung gegen die Bank darstellt.
Das Risiko der Wertschriften ist das Kursrisiko. Es wird mit der Dauer kleiner: Je länger der Horizont, desto wahrscheinlicher liegt die erzielte Rendite nahe am langfristigen Durchschnitt.
Der Umstieg in der Praxis
Wer bisher ein 3a-Konto hat, muss es nicht auflösen. Zwei Wege sind üblich. Entweder wird das bestehende Guthaben innerhalb der Bank in einen Vorsorgefonds umgeschichtet oder steuerneutral zu einem anderen Anbieter transferiert. Oder das Konto bleibt bestehen und nur die neuen Einzahlungen fliessen in eine Wertschriftenlösung. Die zweite Variante schafft automatisch ein zweites Gefäss, das später für den gestaffelten Bezug nützlich ist; mehr dazu im Artikel Säule 3a.
Beim Einstieg mit einem grösseren Betrag stellt sich die Frage nach dem Zeitpunkt. Historisch war der sofortige Einstieg in zwei von drei Fällen besser als eine gestaffelte Einzahlung über ein Jahr. Wer sich mit der Vorstellung eines Einbruchs unmittelbar nach dem Kauf nicht wohlfühlt, kann den Betrag über sechs bis zwölf Monate verteilen; das kostet im Durchschnitt etwas Rendite, nimmt aber den Druck, den richtigen Moment treffen zu müssen.
Typische Fehler beim Wertschriftensparen
Mit 30 das ganze Guthaben auf dem Konto lassen
Über 35 Jahre kostet der Renditeverzicht ein Mehrfaches der Steuerersparnis.
Kurz vor dem Bezug noch 100% Aktien halten
Ein Einbruch im letzten Jahr lässt sich nicht mehr aussitzen; ab 5 Jahren vor dem Bezug schrittweise auf Konto oder tiefe Aktienquote umschichten.
Nur auf die Verwaltungsgebühr schauen
Bei Bankfonds steckt alles im TER, bei Apps kommen Produktkosten dazu; vergleichbar sind nur die Gesamtkosten pro Jahr.
Nach einem Kurseinbruch verkaufen
Verluste werden realisiert und die Erholung verpasst; bei einem Horizont von über 10 Jahren sind Rückschläge Teil des Plans.
Den teuren Fonds der Hausbank nehmen, ohne zu vergleichen
Ein Prozentpunkt Kostenunterschied kostet über 30 Jahre rund CHF 60'000 Endkapital.
Checkliste: Umstieg vom Konto auf Wertschriften
Anlagehorizont bestimmen
Jahre bis zum geplanten Bezug, nicht bis zur Pensionierung – ein Eigenheimkauf in 4 Jahren zählt
Aktienquote zum Horizont wählen
Faustregel: Über 10 Jahre 60 bis 100% Aktien, 5 bis 10 Jahre 25 bis 45%
Gesamtkosten vergleichen
TER bei Fonds, All-in-Gebühr plus Produktkosten bei Apps; Ziel unter 0.6%
Passiv vor aktiv
Indexnahe Fonds und ETF-Strategien sind günstiger und schlagen aktive Fonds auf lange Sicht meist
Bestehendes Konto transferieren oder ergänzen
Transfer ist steuerneutral; alternativ das Konto behalten und neue Einzahlungen in Wertschriften leiten – das schafft zugleich ein zweites Gefäss für die Staffelung
Derisking planen
Ab 5 Jahren vor dem Bezug schrittweise die Aktienquote senken
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Häufige Fragen
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